Heilpraxis Margrit Schreier

Was ist Hochsensibilität?

Hochsensibilität ist ein Persönlichkeitsmerkmal – wie beispielsweise Kreativität oder Hochbegabung oder Neugier. Erstmals beschrieben wurde es von der amerikanischen Sozialpsychologin Elaine Aron, die es auch als ’sensory processing sensitivity‘ bezeichnet.

Intensive Verarbeitung von Sinneseindrücken: Damit ist auch schon ein wichtiges erstes Merkmal von Hochsensibilität benannt: Hochsensible Menschen verarbeiten Sinneseindrücke anders als nicht hochsensible – sie nehmen sie intensiver wahr. Geräusche kommen ihnen lauter vor als anderen Menschen, Licht erscheint ihnen greller und Gerüche sind für sie intensiver. Hochsensible Menschen sind außerdem dadurch gekennzeichnet, dass sie in einer neuen Situation nicht gleich losstürmen und handeln, sondern dass sie sich erst einmal ein Bild von der Situation machen. Sie sammeln zuerst einmal Eindrücke, überlegen gründlich – und dann handeln sie.

Überlastung und Bedürfnis nach Rückzug: Wenn jemand sich erst einmal ein gründliches Bild macht und dabei Sinneseindrücke intensiv wahrnimmt, dann kann man sich leicht vorstellen, was die Folge sein kann: Viele und intensive Eindrücke führen schnell zur Überlastung. Die Eindrücke werden zuviel, stürmen regelrecht auf den hochsensiblen Menschen ein – der sich dann manchmal nichts so sehr wünscht wie seine Ruhe. Das können, wie oben beschrieben, Sinneseindrücke sein, oder auch komplexere Eindrücke in sozialen Situationen, z.B. einem Abendessen in einem größeren Kreis von Freunden. Der Zustand, in dem sich der hochsensible Mensch dann befindet, wird auch als ‚Überaktivierung‘ bezeichnet. Entsprechend brauchen hochsensible Menschen mehr Zeit und Raum für Rückzug und Erholung. Sie müssen die vielen Eindrücke erst einmal verarbeiten. Und wenn es zur Überaktivierung gekommen ist, müssen sie wieder zu ihrem Gleichgewicht zurückfinden.

Ästhetische Wahrnehmung und Genuss: Genau hinzuschauen und Eindrücke intensiv wahrzunehmen muss aber nicht zwangsläufig zur Überaktivierung führen. Im Gegenteil: Gerade hochsensible Menschen können ihre feine und differenzierte Wahrnehmung auch intensiv genießen, z.B. bei einem Spaziergang in der Natur, beim Anhören von Musik, beim Anschauen von Gemälden, beim genauen Hinhören im Gespräch mit anderen, beim Zusammensein mit anderen Menschen.

Weitere Eigenschaften: Intensive Sinneswahrnehmung, Gefahr der Überlastung und Möglichkeit der genießenden Wahrnehmung – dass all das zur Hochsensibilität gehört, darüber ist sich die Forschung einig. Darüber hinaus gibt es noch viele andere Eigenschaften, die hochsensiblen Menschen zugeschrieben werden und auch gut bestätigt sind. So sind sie beispielsweise sehr gewissenhaft, können sich gut in andere Menschen hineinversetzen, berichten häufiger von mystischen Erfahrungen als nicht hochsensible Menschen, reagieren stärker auf Stimulanzien (wie Kaffee, Alkohol, Zigaretten), auf Medikamente aller Art, und haben auch häufiger Allergien und Unverträglichkeiten.